Basiswissen Nachhaltige Kapitalanlagen

Was ist eine nachhaltige Kapitalanlage?

Magisches Dreieck um Nachhaltigkeitskriterien erweitert

Einige sprechen von grünem Geld oder von verantwortlichem Investieren, andere von ethischem Investment oder nachhaltiger Kapitalanlage. Am Markt werden verschiedene Bezeichnungen für diese Form der Kapitalanlage genutzt. Ihnen liegt ein gemeinsames Verständnis zugrunde. Bei der nachhaltigen Kapitalanlage wird das klassische Dreieck der Anlagekriterien – Rendite, Risiko und Liquidität – um das Kriterium der Nachhaltigkeit des Anlageobjekts bzw. der Mittelverwendung ergänzt. International haben sich die Begriffe Socially Responsible Investment (SRI) bzw. Responsible Investment (RI) etabliert.

Nachhaltigkeit ist nicht gleich Nachhaltigkeit

Was genau die Nachhaltigkeit als das vierte Anlagekriterium umfasst, ist nicht verbindlich festgeschrieben. Und so sind beispielsweise auch Begriffe wie „nachhaltige Kapitalanlage“ und „Nachhaltigkeitsfonds“ weder verbindlich definiert noch geschützt. Aus Anlegersicht kommt es deshalb darauf an, sich ein Bild davon zu machen, inwiefern beispielsweise das Nachhaltigkeitskonzept eines Fonds den eigenen Werten oder Prinzipien entspricht. Umso wichtiger ist es, dass Anbieter nachhaltiger Anlagelösungen transparent machen, wie sie Nachhaltigkeit verstehen und welche nachhaltigkeitsbezogenen Kriterien sie verwenden.

Environmental, Social, Governance: ESG

Unter Nachhaltigkeit werden meist drei Themenbereiche subsumiert: Umwelt, Soziales und eine verantowrtungsvolle Unternehmensführung. In Anlehnung an die englische Übersetzung spricht man auch von Environmental, Social und Governance oder kurz von ESG. Umweltbezogene Kriterien umfassen z. B. den Energie- und Rohstoffverbrauch in der Produktion oder den Energieverbrauch einzelner Produkte. Zu den sozialen Kriterien zählt z.B. der Umgang mit Mitarbeitern und Zulieferern. Bei einer verantwortungsvollen Unternehmensführung geht es z. B. um den Schutz der Aktionärsrechte oder die Bekämpfung von Korruption.

Welchen Beitrag leisten Kapitalanlagen zu einer nachhaltigen Entwicklung?

Ein anderer Ansatz zur Beantwortung der Frage, was eine nachhaltige Kapitalanlage ist, geht von den Wirkungen aus. Danach gilt eine Kapitalanlage dann als nachhaltig, wenn sie zur Erreichung anerkannter Nachhaltigkeitsziele beiträgt. Bezugspunkte sind z. B. die im Pariser Weltklimaabkommen oder in den Sustainable Development Goals definierten Ziele. Mit dem investierten Geld werden damit die vom Unternehmen verfolgten Ziele unterstützt.

Wie hat sich der nachhaltige Kapitalmarkt entwickelt?

Nachhaltige Kapitalanlagen boomen

Der Markt nachhaltiger Kapitalanlagen wächst im In- und Ausland sehr dynamisch. Während private Anleger insgesamt noch etwas zurückhaltend mit nachhaltigen Kapitalanlagen sind, ist die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei institutionellen Anlegern bereits weit verbreitet. In Deutschland berücksichtigt die Mehrheit der institutionellen Anleger nachhaltige Aspekte in der Kapitalanlage. Experten gehen davon aus, dass der Markt auch in den kommenden Jahren kräftig wachsen wird.

Globales Marktvolumen legt kräftig zu

Das Marktvolumen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Anfang 2018 wurden nach Berechnungen der Global Sustainable Investment Alliance (GSIA) weltweit etwa 30,7 Billionen US-Dollar unter Berücksichtigung von nachhaltigen Kriterien angelegt. Dies entspricht einem Anstieg von 34 Prozent gegenüber dem Stand Anfang 2016. Europa ist die Region mit dem größten Anteil am weltweiten Anlagevolumen mit rund 14 Billionen US-Dollar.

Auch der deutsche Markt wächst kontinuierlich

Auch das Volumen in nachhaltige Anlageprodukte im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich und Schweiz) erlebt ein kontinuierliches Wachstum. Nach dem Marktbericht (Stand: Juni 2019) des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG)  waren in den drei Ländern Ende 2018 rund 474 (2017: 281) Mrd. Euro nach strengen Nachhaltigkeitskriterien angelegt. Zählt man auch die weniger strengen Ansätze hinzu, erreicht das Marktvolumen des „verantwortlichen Investierens“ sogar ein Volumen von knapp 2.900 (2017: 2.700) Mrd. Euro. In Deutschland wurden Ende 2018 rund 219,1 Mrd. Euro unter strengen Nachhaltigkeitskriterien angelegt.

Welche Strategien bietet die nachhaltige Kapitalanlage?

Anlegern, die nachhaltig investieren, steht heute eine große Bandbreite an unterschiedlichen Anlagestrategien zur Verfügung. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) unterscheidet bei seiner jährlichen Marktanalyse aktuell folgende Ansätze:

  • Ausschlusskriterien
  • Best-in-Class-Ansatz
  • Engagement
  • ESG Integration
  • Impact Investment
  • Nachhaltige Themenfonds
  • Normbasiertes Screening
  • Stimmrechtsausübung

Die aus unserer Sicht wichtigsten Ansätze kann man als „Triple A der nachhaltigen Kapitalanlage“ zusammenfassen: ausschließen, auswählen und ansprechen!

Ausschließen: Ausschluss- oder Negativkriterien

Systematisch bestimmte Investmentklassen und Emittenten - wie Unternehmen, Branchen oder Staaten - werden anhand spezifischer Ausschluss- oder auch Negativkriterien von der Kapitalanlage ausgeschlossen. Geschieht dies auf der Basis von Verstößen gegen anerkannte Standards wie den ILO Kernarbeitsnormen (ILO = International Labour Organisation) oder den zehn Prinzipien des UN Global Compact spricht man auch von normbasiertem Screening. Der Global Compact der Vereinten Nationen ist eine freiwillige Initiative für Unternehmen, die sich verpflichten, ihre Geschäftstätigkeiten und Strategien an zehn universell anerkannten Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung auszurichten.

Auswählen: „Best-in“-Ansätze

Beim Best-in-Class-Ansatz werden die Emittenten zum Investment ausgewählt, die innerhalb einer Branche, Kategorie oder Klasse die besten Nachhaltigkeitsleistungen erbringen. Dagegen setzt der Best-in-Progress-Ansatz auf die Unternehmen, die in den vergangenen Jahren die größten Fortschritte bei der Qualität des Nachhaltigkeitsmanagements gemacht haben.

Ansprechen: Im Dialog mit den Unternehmen

Zu den Dialogstrategien gehören die Ausübung der mit Aktien verbundenen Rechte auf den Hauptversammlungen von Unternehmen sowie der direkte Kontakt mit Vertretern der Unternehmen, das Engagement. Ziel ist es in beiden Fällen, im Dialog mit den Unternehmen konkrete Verbesserungen im Umgang mit Nachhaltigkeitsthemen einzufordern.

Was sind Ausschlusskriterien?

Ausschluss- oder Negativkriterien sind sozusagen die Türsteher eines Portfolios. Durch sie werden die Emittenten herausgefiltert, die nicht ins Portfolio aufgenommen werden sollen, weil sie

  • den Zielen und Werten des Anlegers nicht entsprechen bzw. sogar widersprechen oder
  • ein Risiko für die Performance der Kapitalanlage darstellen.

Geschäftsfelder und -praktiken im Fokus

Auf Unternehmensebene können sich Ausschlusskriterien zum einen auf die Geschäftsfelder beziehen, in denen die Unternehmen tätig sind. Dabei werden Unternehmen vom Investment ausgeschlossen, die Produkte und Leistungen anbieten, die im Rahmen der Anlagestrategie als problematisch bewertet werden, beispielsweise geächtete Waffen, Tabakprodukte oder genmanipuliertes Saatgut. Ein Ausschluss kann aber auch Unternehmen betreffen, deren Geschäftsfeld nach Einschätzung des Fondsmanagers nicht zukunftsfähig ist, etwa die Förderung oder Nutzung fossiler Energien.

Zum anderen beziehen sich Ausschlusskriterien auf die Geschäftspraktiken der Unternehmen. Hier geht es beispielsweise um Verstöße der Unternehmen gegen anerkannte Arbeits- und Menschenrechte, gegen Umwelt- oder Antikorruptionsstandards. Wenn als Basis die Definition entsprechender Ausschlüsse international anerkannter Normen wie der zehn Prinzipien des UN Global Compact genutzt werden, spricht man auch von normbasierten Ausschlüssen. Auch bestimmte Wertvorstellungen, wie die der evangelischen oder katholischen Kirchen in Deutschland, können über Ausschlusskriterien berücksichtigt werden. Als Basis dienen hierfür die Leitfäden der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) und des ZDK (Zentralkomitee der deutschen Katholiken), die als Kriterien für die Kapitalanlagen berücksichtigt werden.

Verschiedene Möglichkeiten zur Feinjustierung

Die Nutzung von Ausschlusskriterien beeinflusst unmittelbar die Größe des investierbaren Universums. Wie stark dieser Einfluss ist, hängt insbesondere davon ab, wie weit und wie streng die Ausschlusskriterien definiert werden.

Hier gibt es verschiedene Ansatzpunkte:

  • Definition von Umsatzgrenzen
    Hier kann z. B. festgelegt werden, ob grundsätzlich alle Hersteller von Tabakprodukten ausgeschlossen werden sollen oder nur solche, die damit einen relevanten Umsatzanteil erwirtschaften. Gängig sind hier die Umsatzgrenzen von 5 oder 10 %.
     
  • Position in der Wertschöpfungskette
    Es kann beispielsweise bestimmt werden, ob man nur die Hersteller eines kontroversen Produktes ausschließt oder auch die Unternehmen, die damit handeln.
     
  • Einbeziehung von Zulieferern
    Hierbei wird unterschieden, ob man ausschließlich die produzierenden Unternehmen betrachtet oder auch deren Zulieferer einbezieht. Besonders relevant ist dies bei Arbeitsschutz- und Menschenrechtsverletzungen, die häufig in den Zulieferbetrieben in Schwellen- und Entwicklungsländern stattfinden. 

Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen besonders streng geahndet

Laut Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) „Marktbericht Nachhaltige Geldanlagen 2018“ ist den Anlegern in Deutschland der Ausschluss von Unternehmen besonders wichtig, die Arbeitsrechtsverletzungen begehen. Auf den weiteren Rängen folgt der Ausschluss von Unternehmen, die selbst oder in ihrer Zulieferkette gegen anerkannte Menschenrechte verstoßen (Rang 2) und direkt oder indirekt an Umweltzerstörungen mitwirken (Rang 3).

Auch Staaten können ausgeschlossen werden

Auch bei Investments in Staatsanleihen kann mit Ausschlusskriterien gearbeitet werden. Diese können beispielsweise Staaten betreffen, in denen Korruption besonders weit verbreitet ist, die gegen Bürger- und Menschenrechte verstoßen, die die Todesstrafe anwenden oder Staaten, die nicht am internationalen Klimaschutz mitarbeiten.

Wie funktioniert der Best-in-Class-Ansatz?

Beim Best-in-Class-Ansatz ergibt sich das Anlageuniversum aus denjenigen Unternehmen, die innerhalb ihrer Branche, Kategorie oder Klasse die besten Nachhaltigkeitsleistungen erbringen.

Die Unternehmen werden nach einer Vielzahl von ökologischen, sozialen und auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung bezogenen Kriterien bewertet, die sich auf alle relevanten unternehmerischen Tätigkeiten beziehen. Gute Nachhaltigkeitsanalysten berücksichtigen die unterschiedlichen nachhaltigkeitsbezogenen Herausforderungen der einzelnen Branchen und definieren branchenspezifische Kriterien. Im Ergebnis umfasst das Investmentuniversum damit Unternehmen, die im Branchenvergleich bereits ein hohes Nachhaltigkeitsniveau erreicht haben und sich in besonderem Maße für eine nachhaltige Entwicklung engagieren. 

Beispiel Klimaschutz: Nachhaltige Investoren können einen Best-in-Class-Ansatz in Bezug auf CO2-Emissionen von Unternehmen wählen. Dabei wird nur in solche Unternehmen einer Branche investiert, die die niedrigsten Emissionen aufweisen.

Vorteile des Best-in-Class-Ansatzes

Der Best-in-Class-Ansatz wurde in den 1990er Jahren entwickelt und bietet bis heute eine weit verbreitete Grundlage, um die nachhaltige Performance von Unternehmen zu vergleichen und zu bewerten. Die vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, dass innerhalb der Branchen durchaus ein Wettbewerb um das beste Nachhaltigkeitsmanagement entstanden ist und es als eine Art Gütesiegel gilt, in einem der renommierten Nachhaltigkeitsfonds und/oder -indizes mit Best-in-Class-Ansatz gelistet zu sein. Eine Umfrage der Nachhaltigkeitsratingagentur ISS-oekom belegte diesen Effekt. Demzufolge sind Anfragen von Nachhaltigkeitsanalysten und an nachhaltigen Kapitalanlagen interessierten Investoren bei rund 60 % der Unternehmen ausschlaggebender Faktor dafür, sich mit Nachhaltigkeitsthemen zu befassen. Aus Anlegersicht ist der Best-in-class-Ansatz auch deshalb vorteilhaft, da er – unter Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien – das Portfolio gut diversifiziert.

Nachteile des Best-in-Class-Ansatzes

Ein Kritikpunkt am Best-in-Class-Ansatz ist, dass es dabei nicht generell um Kapitalanlagen in nachhaltige Geschäftsbereiche geht, sondern um Investitionen in Unternehmen, die ökologisch und sozial in ihrer Branche besonders gut abschneiden. Das schließt aber nicht aus, dass sich Emittenten im Portfolio befinden, die in kontroversen Geschäftsfeldern aktiv sind oder durch umstrittene Wirtschaftspraktiken auffallen. Befürworter des Best-in-Class-Ansatzes argumentieren, dass zunächst jede Branche einen wichtigen Beitrag zu einer Volkswirtschaft leistet und der Best-in-Class-Ansatz einen Anreiz bietet, den Nachhaltigkeitsgedanken auch in Branchen zu tragen, deren Produkte per se vielleicht nicht umweltverträglich sind. So kann beispielsweise auch das breite Bedürfnis nach individueller Automobilität so umweltverträglich wie möglich gestaltet werden.

Best-in-Class-Ansatz kombinieren

Viele Produkte aus der Praxis zeigen, dass der Best-in-Class-Ansatz oft durch andere Strategien der nachhaltigen Kapitalanlage ergänzt wird. So kann die Kombination aus Best-in-Class und Ausschlusskriterien Unternehmen aus ethisch, sozial oder ökologisch als bedenklich angesehenen Branchen ausschließen und zugleich ein diversifiziertes Portfolio ermöglichen.

Was steckt hinter dem Best-In-Progress-Ansatz?

Ein innovatives Konzept im nachhaltigen Investment ist der Best-in-Progress-Ansatz. Während beim Best-in-Class-Ansatz die Emittenten zum Investment ausgewählt werden, die im Nachhaltigkeitsmanagement bereits ein vergleichsweise hohes Niveau erreicht haben, setzt der Best-in-Progress-Ansatz auf die Emittenten, die in den vergangenen Jahren die größten Fortschritte beim Umgang mit den Herausforderungen im gesellschaftlichen Bereich oder des Klimawandels gemacht haben. Basis für die Beurteilung der Fortschritte sind Nachhaltigkeits-Ratings.

Attraktive Korrelation

Der Best-in-Progress-Ansatz gewinnt seine Attraktivität aus der These, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Nachhaltigkeitsmanagements und dem wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen gibt. Während man dabei früher eher davon ausging, dass sich nur erfolgreiche Unternehmen auch ein Nachhaltigkeitsmanagement leisten können, gibt es heute klare Indizien dafür, dass eine nachhaltige und klimaverträgliche Ausrichtung der Unternehmen nicht die Folge, sondern eher die Wurzel für wirtschaftlichen Erfolg ist. Danach sind Unternehmen, die Fortschritte in ihrem Nachhaltigkeitsmanagement zeigen, auch unter Rendite-Risikogesichtspunkten besonders attraktiv.

Verschiedene Umsetzungsmöglichkeiten

Für die Umsetzung des Best-in-Progress-Ansatzes gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Gesamtbewertung oder Einzelaspekte

Die Auswahl der Emittenten für das Anlageuniversum auf Basis des Best-in-Progress-Ansatzes kann sich auf die nachhaltigkeitsbezogene Gesamtbewertung des Unternehmens beziehen oder auf einzelne ESG-bezogene Aspekte der Unternehmenstätigkeit, also z. B. die Fortschritte beim Klimaschutz oder beim Management der Zulieferkette. Hierbei können Investoren die Themenfelder auswählen, die aus ihrer Sicht einen besonderen Einfluss auf die finanzielle Performance der Unternehmen haben oder die ihnen aus anderen Gründen besonders wichtig sind.

Exklusiv oder kombiniert

Der Best-in-Progress-Ansatz kann als exklusiver Ansatz zur Auswahl geeigneter Emittenten genutzt oder mit einem Best-in-Class-Ansatz kombiniert werden. Werden Emittenten sowohl nach Best-in-Class als auch nach Best-in-Progress im Portfolio zugelassen, führt diese Kombination regelmäßig zu einer Vergrößerung des zur Verfügung stehenden Anlageuniversums.

Wirkung auch auf eine nachhaltige Entwicklung

Der Best-in-Progress-Ansatz ist nicht nur unter Performanceaspekten attraktiv, sondern auch im Hinblick auf die Wirkungen für eine nachhaltige oder klimaverträgliche Entwicklung. Gerade Unternehmen, die die Risiken, aber auch die Chancen einer nachhaltigen Entwicklung erkannt haben und sich hier verstärkt engagieren, erreichen häufig vergleichsweise schnell deutliche Verbesserungen ihres »Fußabdrucks« etwa in Form reduzierter Energie- und Rohstoffverbräuche. Gerade für Investoren, denen eine nachhaltige Wirkung ihrer Kapitalanlage wichtig ist, stellt der Best-in-Progress-Ansatz daher eine interessante Variante dar. Dieser Ansatz lässt sich übrigens auch aus der klassischen Portfoliotheorie insofern ableiten, als dass grundsätzlich solche Unternehmen langfristig erfolgreicher sein werden, die heute die richtigen Antworten für morgen haben und sich entsprechend geschäftsstrategisch aufstellen.

Was sind aktive Dialogstrategien im nachhaltigen Investment?

Investoren, die Dialogstrategien nutzen, wollen Unternehmen direkt zu verstärkten Anstrengungen im Nachhaltigkeitsmanagement motivieren. Je nachdem, welchen Weg sie dabei nutzen, spricht man dabei von Engagement oder Stimmrechtsausübung.

Engagement: Viele Wege führen zum Unternehmen

Ob per Brief, Email oder im direkten Gespräch, allein oder in einer konzertierten Aktion mit anderen Investoren: Beim Engagement geht es den Investoren darum, im direkten Kontakt mit den Unternehmen wahrgenommene bzw. festgestellte Defizite bei den Nachhaltigkeitsleistungen der Unternehmen aktiv anzusprechen und die Unternehmen dazu zu bewegen, diese zu beheben. Dabei ist es unerheblich, ob der Investor Aktien, Anleihen oder andere Wertpapiere des Unternehmens hält.

Stimmrechtsausübung: Die Hauptversammlung als Bühne

Im Rahmen dieser Strategie nutzen Investoren die mit dem Eigentum an Aktien verbundenen Rechte. Dazu gehört zum einen die Möglichkeit, auf Hauptversammlungen zu sprechen und so vor den versammelten Aktionären und dem Management der Unternehmen Defizite im Nachhaltigkeitsmanagement der Unternehmen anzusprechen und Verbesserungen einzufordern. Zum anderen können Investoren Anträge zur Abstimmung stellen und ihr eigenes Stimmrecht nutzen, um nachhaltigkeitsbezogene Anträge zu unterstützen.

Kräfte bündeln und Unterstützung holen

Beim Engagement besteht die Möglichkeit, sich im Rahmen von Initiativen wie den UN Principles for Responsible Investment (UN PRI) oder dem deutschen Investoren-Netzwerk Corporate Responsibility Interface Center (CRIC) mit anderen Investoren zu koordinieren, um den Einfluss auf die Unternehmen zu verstärken. Unterstützung bieten auch spezialisierte Dienstleister, die Investoren mit Informationen und Infrastruktur für die Stimmrechtsausübung beliefern oder im Namen eines oder mehrerer Investoren mit den Unternehmen in Kontakt treten.

Divestment als Ultima Ratio

Wenn ein Dialog nicht zu den von den Investoren gewünschten Ergebnissen führt, wird am Ende des Prozesses aus Gründen der Glaubwürdigkeit regelmäßig ein Divestment der Wertpapiere des betreffenden Unternehmens stehen (müssen). Ob dies öffentlichkeitswirksam oder nur unter Information des betroffenen Unternehmens erfolgt, entscheidet jeder Investor selbst.

Was ist Impact Investing?

Nachhaltige Kapitalanlagen haben ein doppeltes Wirkungsversprechen: Zum einen sollen sie eine Rendite liefern, die mindestens so gut ausfallen sollte wie bei konventionellen Anlagen – vielleicht sogar besser. Zum anderen sollen sie einen positiven Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten. Für dieses zweite Wirkungsversprechen hat sich der Begriff „Impact Investing“ etabliert, der derzeit stark an Bedeutung gewinnt.

Kein einheitliches Verständnis

Was genau man unter Impact Investing versteht, ist dabei nicht definiert. Grundsätzlich kann man allerdings zwei Ansätze unterscheiden: Die eine Gruppe von Investoren versteht unter Impact Investments ausschließlich Investitionen in Sozialunternehmen. Darunter werden Organisationen verstanden, die daran arbeiten, gesellschaftliche Probleme mit Hilfe unternehmerischer Ansätze zu lösen. Der Markt für diese dem Venture Capital teilweise ähnlichen Investments ist vergleichsweise klein und erreicht in Deutschland kaum die 100 Mio. Euro-Marke. Für eine andere Gruppe von Investoren sind nachhaltige Kapitalanlagen per se wirkungsorientiert. Für sie zielen beispielsweise auch der Best-in-Class-Ansatz und die Dialogstrategien darauf ab, die Nachhaltigkeitsleistungen der Emittenten zu verbessern und so zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen.

UN Sustainable Development Goals als neuer Maßstab

Als Maßstab zur Bewertung der positiven Wirkungen nachhaltiger Kapitalanlagen dienen immer häufiger die UN Sustainable Development Goals (kurz: SDG). Dieser von der Vollversammlung der UN im Sommer 2015 verabschiedete Katalog umfasst 17 Haupt- und insgesamt 169 Unterziele. Durch sie soll sich die Lebenssituation der Menschen weltweit bis zum Jahr 2030 spürbar verbessern. Eine stetig steigende Zahl von nachhaltigen Investoren stellt sich bei der Analyse und Bewertung ihrer Kapitalanlagen die Frage, ob diese einen Beitrag zur Erreichung mindestens eines dieser Ziele leisten. Gleichzeitig richten mittlerweile zahlreiche börsennotierte Unternehmen ihre Berichterstattung zu einzelnen Geschäftsfeldern und -aktivitäten an den SDG´s aus und machen so transparent, zu welchen SDG-Zielen sie Beiträge leisten.

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeits-Ratingagenturen?

Wer als Investor mit Ausschlusskriterien oder dem Best-in-Class-Ansatz arbeitet, benötigt Informationen darüber, welche Emittenten die gestellten Nachhaltigkeits-Anforderungen erfüllen. Solche Informationen bieten unter anderen spezialisierte Nachhaltigkeits-Ratingagenturen wie imug rating, ISS ESG, MSCI ESG, Standard & Poors oder Sustainalytics.

Hohes Maß an Unabhängigkeit

Während die konventionellen Ratingagenturen wie Standard&Poor´s, Moodys oder Fitch meist von den Emittenten selbst bezahlt werden, zahlen beim Nachhaltigkeitsrating die Nutzer der Daten. Dazu gehören Vermögensverwalter und institutionelle Investoren, die die Bewertungen als Basis für Anlageentscheidungen nutzen. Es verschafft den Nachhaltigkeitsanalysten ein höheres Maß an Unabhängigkeit von den bewerteten Emittenten, führt aber auch dazu, dass ihre Nachhaltigkeitsratings in der Regel nur gegen Bezahlung verfügbar sind.

Vielfalt statt Standardisierung

Bei der Analyse und Bewertung der Nachhaltigkeitsleistungen der Emittenten verwendet jede Agentur einen eigenen Ansatz. So unterscheiden sich sowohl die Bewertungsprozesse als auch die verwendeten Kriterien und deren Gewichtung von Anbieter zu Anbieter. In der Regel kommen weit mehr als 100 Einzelkriterien zum Einsatz, auf deren Basis Unternehmen und Staaten bewertet werden.

Für die Nutzer der Ratings bietet die Vielzahl der Ansätze die Möglichkeit, genau den Anbieter auszuwählen, dessen Nachhaltigkeitsansatz seinen Vorstellungen am ehesten entspricht. Voraussetzung dafür ist, dass die Agentur transparent macht, wie der Bewertungsprozess abläuft und welche Schwerpunkte z. B. bei einzelnen Branchen gesetzt werden. Letztendlich geht es um ein gutes Verständnis des Prozesses und damit des Ratingergebnisses, um auch die daraus abzuleitende Investmententscheidung fundiert treffen zu können.

Fokus auf Aktien und Renten

Traditionell stehen bei der Nachhaltigkeitsanalyse Unternehmen und Staaten im Vordergrund. Dabei analysieren die Agenturen heute regelmäßig weit mehr als 5.000 weltweit ansässige Unternehmen und decken dabei regelmäßig alle Unternehmen aus relevanten Aktienindizes wie den Stoxx600, den MSCI World oder den MSCI Emerging Markets ab. Das Rating eines Unternehmens gilt dabei jeweils für alle von diesem emittierten Wertpapieren, also sowohl für dessen Aktien als auch für Corporate Bonds und andere Wertpapiere.

Im Staatenbereich werden alle wichtigen Emittenten von Staatsanleihen bewertet, darüber hinaus auch ausgewählte Bundesländer, Städte und Kommunen, sofern diese mit eigenen Wertpapieren am Kapitalmarkt aktiv sind.

Wie wirken Nachhaltigkeitskriterien/ -ratings auf die Performance?

Die Frage, ob man auf Rendite verzichten und/oder ein höheres Risiko in Kauf nehmen muss, wenn man der Kapitalanlage ökologische, soziale oder auf eine verantwortungsvolle Unternehmensführung bezogene Kriterien berücksichtigt, wird seit vielen Jahren intensiv diskutiert. Dabei hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass Anleger eine schlechtere Performance in Kauf nehmen müssen, wenn sie das magische Dreieck der Kapitalanlage – Risiko, Rendite und Liquidität – um eine vierte Dimension, die Qualität des Nachhaltigkeitsmanagements der Emittenten, erweitern. Zahlreiche Studien widerlegen dieses Vorurteil.

Nachhaltigkeitskriterien schärfen das Bild

Befürworter einer nachhaltigen oder klimakompatiblen Kapitalanlage sind davon überzeugt, dass die Berücksichtigung entsprechender Kriterien dabei hilft, die Risiken und Chancen einzelner Emittenten bzw. Anlageobjekte besser bewerten zu können. Unternehmen, die effizient mit Energie umgehen und eine Antwort auf den Klimawandel haben, ihre Mitarbeiter laufend qualifizieren oder sich bei der Gestaltung ihrer Produkte an den steigenden umweltbezogenen und sozialen Anforderungen ihrer Kunden orientieren, werden ihrer Einschätzung nach auch wirtschaftlich langfristig erfolgreicher sein.

Nachhaltigkeitskriterien können auch effektiv im Risikomanagement eingesetzt werden. So lassen sich Risiken identifizieren, die sich negativ auf den Portfolioerfolg auswirken. Die Reduktion der Risiken bezieht sich dabei nicht nur auf finanzielle Risiken des Kapitalmarkts, sondern darüber hinaus auch auf beispielsweise mögliche Reputationsrisiken eines Anlegers durch Investitionen in Wertpapiere, die den eigenen Prinzipien widersprechen.

Analysen stützen Befürworter

Was plausibel klingt, wird durch eine Vielzahl von Analysen statistisch untermauert. Eine Analyse der Universität Hamburg mit dem Titel „ESG and financial performance: aggregated evidence from more than 2000 empirical studies“ aus dem Jahr 2015 hat ergeben, dass sich Nachhaltigkeitskriterien grundsätzlich positiv auf die Performance/ den Ertrag auswirken können. Das Ergebnis basiert auf einer Auswertung von etwa 2.250 Studien aus den Jahren 1970 bis 2015, die sich mit der Fragestellung der Auswirkung von Nachhaltigkeitskriterien auf die Performance beschäftigt haben. Deutlich weniger als 10 % der ausgewerteten Studien zeigen einen negativen Einfluss von Nachhaltigkeitskriterien auf den finanziellen Erfolg der Kapitalanlage. Allerdings weit über 50 % der Studien unterstreichen einen positiven Zusammenhang zwischen der Nutzung von Nachhaltigkeitskriterien und dem Risiko-Rendite-Profil der Kapitalanlage. Die restlichen ausgewerteten Studien stellen einen neutralen Zusammenhang fest.

Neutral schon positiv

Aus Sicht vieler nachhaltiger Investoren ist schon ein neutraler Zusammenhang positiv zu bewerten, ermöglicht er doch die Verfolgung wichtiger ökologischer und sozialer Ziele bei gleichzeitig marktgerechten Erträgen. Ob diese Vorteile realisiert werden können, hängt allerdings auch von der Qualität der Vermögensverwalter ab.